Wer wir sind

Die Tiwis stellen sich vor

Die Tiwis sind engagierte Christinnen und Christen unterschiedlicher Konfessionen, die sich 2010 in Wiesbaden zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen haben.

Uns Tiwis verbindet eine wesentliche Überzeugung: Die christliche Liebe erstreckt sich auf alle Geschöpfe - auf alle Menschen gleichermaßen (egal, wie sie sind) und auch auf die Tiere.TiwisDas gilt nicht nur für die Kumpantiere, die in unserer Obhut leben, sondern auch für die vielen namenlosen Tiere, die als so genannte "Nutztiere" in der Massentierhaltung ihr Dasein fristen. Für uns ist die christliche Liebe so überschwänglich, dass sie kein Lebewesen außen vor lässt.

Aus unserer Überzeugung leiten wir unser Ziel ab: Wir wollen das christliche Liebesgebot beim Wort nehmen und der sich daraus ergebenden Verantwortung gerecht werden. Wir wollen mit dafür sorgen, dass alle Geschöpfe - ob Mensch oder Tier - auf dieser Erde in Würde leben können.

Wir Tiwis sind nicht politisch im Sinne einer Parteipolitik. Wir sind auch nicht darauf festgelegt, dass alle Menschen unbedingt vegan oder vegetarisch leben müssen. Doch wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass hinter jedem Bissen Fleisch und hinter jedem Tropfen Milch ein Lebewesen steht, das als Geschöpf Gottes einen Anspruch auf ein würdevolles Leben hat. Im Rahmen dieses Bewusstseins soll jeder Mensch die Schritte tun, die ihm möglich sind.

Der harte Kern unseres Arbeitskreises, das sind die folgenden Personen:


Monika Hoffmann

Monika HoffmannMonika war schon Tiwi, bevor es die Tiwis überhaupt gab. Sie hat nämlich schon vor über fünfzig Jahren als Kind in der Kirche Rotz und Wasser geheult, wenn immerzu die Rede davon war, dass das Lamm geschlachtet wird. Das wollte sie nicht. Später dann, als sie mehr Vernunft hatte, hat sie oft in der Kirche gesessen und sich gewundert, wofür Gott alles zuständig sein soll. Zum Beispiel dafür, dass die Hungernden satt werden. Genau das aber, denkt Monika, wäre eher unsere Aufgabe. Der Mainzer Kardinal Hermann Volk hat das einmal so erklärt: "Gott tut nicht, was die Menschen tun können." Das heißt in diesem Fall: Das tägliche Brot zu teilen ist unsere Aufgabe. Anfangen können wir damit, dass wir uns mäßigen - ja, und dass wir auch weniger Fleisch essen oder endlich damit aufhören. Das ist Monikas Meinung.

Über die Jahre hinweg hat Monika sich immer mehr damit beschäftigt, wie wir in Gottes Namen mit unseren tierischen Mitgeschöpfen umgehen sollen. Dabei war sie nie allein, sondern immer zusammen mit ihrer Schwester Ruth. Und irgendwann sind dann aus dieser ständigen Beschäftigung die Tiwis hervorgegangen. Und nach noch einmal vielem weiteren Suchen und Versuchen sind die Tiwis das geworden, was sie heute sind. Monika ist zuständig für die Programmplanung und die Textarbeit.

Wer Tiwi ist, will Tiere um sich haben. Monika hatte viele Jahre lang Mimi Mondschein an ihrer Seite, bis Mimi dann in den Himmel gegangen ist. Bald danach sind Lily Mirabilis und Lucy Knittelohr eingezogen. Die beiden Findelkinder aus Freilingen hatten das große Glück, an die Katzenhilfe Westerwald e. V. zu geraten. Mit deren Hilfe sind sie zu Monika gelangt - und dafür sind alle drei mächtig dankbar. Die guten Menschen von der Katzenhilfe leisten tolle Arbeit!

Monika gehört zu der Kirchengemeinde St. Bonifatius in Wiesbaden. Sie unterrichtet Deutsch in der Erwachsenenbildung und schreibt Bücher zum Thema. Die jüngsten Ergebnisse sind Neuauflagen von Deutsch fürs Jurastudium (Schöningh) und Besser schreiben für Dummies (Wiley). Und jetzt ist es an der Zeit für das Allerwichtigste: ein Tiwis-Buch.


Ruth Kaiser

Ruth KaiserRuth ist mit Tieren und einer katholischen Erziehung großgeworden. Als Kind und als Jugendliche hatte sie einen starken Glauben; mit dem Erwachsenwerden jedoch konnte diese Volksfrömmigkeit den Fragen und dem Hinterfragen nicht mehr standhalten. Um die Lehre von Gott mit der Vernunft zu begreifen, fehlte das notwendige Glaubenswissen. Ohne dieses Wissen wurden die Gottesdienste hohl. An für sie hohlen Veranstaltungen wollte Ruth schon damals nicht teilnehmen. Also gab es zwei Möglichkeiten: Entweder sie würde Glauben und Kirche aufgeben, oder sie würde versuchen, die Glaubenslehre zu durchdringen. Ruth hat sich für Letzteres entschieden. Seitdem setzt sie sich systematisch mit ihrem Glauben auseinander, unter anderem mit Unterstützung der Katholischen Hochschule in Mainz. Davon profitieren nicht zuletzt die Tiwis. Ruth hat sie mit aus der Taufe gehoben und ist heute zuständig für neue theologische Impulse, für Spiritualität und für Fragen der Vermittlung.

Ruths Tierliebe hat eine ungebrochene Geschichte. Seit sie die Not der vielen so genannten "Nutztiere" erkannt hat, lebt Ruth vegetarisch. Das ist nun schon seit über 25 Jahren der Fall. Schwarz und süßEin Thema, das Ruth besonders interessiert, ist das Sterben der Tiere. Sie hat das mehrfach mit erlebt bei Tieren in ihrer Obhut. Aber wie sieht es bei den Tieren in den Schlachthöfen aus? Bei ihnen wird der Tod willkürlich und grausam herbeigeführt, und dann wird der geschundene Körper ausgeschlachtet. Das ist die ultimative Entwürdigung. Die ist an sich schon schlimm genug. Aus christlicher Sicht jedoch ist sie doppelt schlimm: Denn die Entwürdigung der Geschöpfe trifft auch deren Schöpfer. Sie muss aufhören, das ist ein Ziel für Ruth.

Ruth und ihr Mann teilen das Haus mit zwei Katzen: Lupina und Hobbit. Lupinchen wurde im Westerwald abgegeben; Hobbit stammt aus dem Tierheim in Rüsselsheim. Ruth ist außerdem beste Freundin für Nachbars Katzen und immer wieder Ansprechpartnerin für Menschen, die ein neues Zuhause für Hund oder Katze suchen.

Ruth arbeitet für einen christlichen Bildungsträger. Durch ihre vielen Beratungsgespräche weiß sie, was die Menschen umtreibt und was dem Tierwohl im Wege steht. Ruths kirchliche Heimatgemeinde ist St. Andreas in Klein-Winternheim/Ober-Olm im Bistum Mainz.


Alexandra Cäsar

Alexandra CäsarFür Alex ist das immense Leid der Tiere schon immer ein sehr wichtiges Anliegen. Sie möchte den Menschen das Mitgefühl für unsere Mitgeschöpfe näher bringen.

Ihre Einstellung den Tieren gegenüber kann Alex nicht von ihrem Glauben trennen: "Die Liebe des Gottes, den ich verehre, kennt keine Grenzen - und sie schießt auch die Tiere nicht aus! Warum hätte er sonst empfindungs- und bindungsfähige Wesen erschaffen? Wie könnte er ihnen Würde, Liebe und Erlösung verweigern? Das passt nicht in mein Gottesbild."

Alex lebt seit Mitte der 80er Jahre vegetarisch. Eine ganz banale Erkenntnis war damals der Auslöser: "Mit einem Mal war mir klar: Wenn ich ein kleines Schwein statt eines Hundes hätte, dann hätte ich es genauso lieb wie den Hund." Konsequenterweise beschloss Alex damals zusammen mit ihrer Mutter, kein Fleisch mehr zu essen. Sie wollte auch nicht, dass andere Menschen für sie Tiere töteten. Nach kurzer Zeit zogen auch Schwester und Vater mit. Nach diesem affektiven Auslöser arbeitete Alex sich immer weiter in die Begründung zum Vegetarismus/Veganismus hinein: philosophisch, ethisch, ökologisch, psychologisch, gesundheitlich und auch theologisch. Die tiefe Auseinandersetzung mit dem Thema führte sie und ihren Mann 2012 zum veganen Leben. Ihre elfjährige Tochter lebt von Geburt an vegetarisch.

Zu Alex' Familie gehören auch einige Fellkinder: Paula und Hermann sind Vertreter des Hundsvolks, und die Katzenfraktion wird derzeit von Lotte und Rübe im Haushalt vertreten. Das Haus steht aber immer offen für obdachlose Tiere.

Alex unterrichtet am Privaten Gymnasium der Zisterzienserabtei Marienstatt Französisch und Katholische Religion. Viel Zeit widmet sie der Arbeit in der Schulseelsorge.

In ihrer Heimatgemeinde Liebfrauen Westerburg engagiert sie sich im Pfarrgemeinderat, im Ortsausschuss, in der Firmvorbereitung, als Lektorin und ansonsten nach Bedarf.

Eins ist für Alex ganz klar: Es ist Zeit für die Menschen - und vor allem auch für Christen - sich an das Thema der maßlosen Ausbeutung der Tiere heranzutrauen. "Wenn uns Christen Worte wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Solidarität etwas bedeuten, können wir hier nicht länger die Augen verschließen - und gerade an diesem Punkt sehe ich auch die Kirchen gefordert. Es ist an der Zeit, sich zu positionieren!"


Svenja Andrä

Svemja AndräSvenja ist in einer landwirtschaftlichen Familie aufgewachsen und hat schon als Kind mit den Tieren gelitten, wenn sie zum Schlachter transportiert wurden. Gleichzeitig weiß sie, was eine gut geführte Landwirtschaft leistet. Der Interessenkonflikt ist ihr durchaus bewusst. Die logische Konsequenz war für sie, auf Fleisch und Fisch zu verzichten, beim Konsum von tierischen Produkten auf die Haltungsbedingungen zu achten, tierversuchsfreie Kosmetik zu benutzen und auf Kunstleder-Varianten auszuweichen.

Das Nachdenken über Mensch und Tier in einer gottgewollten Ordnung hat bei Svenja schon früh angefangen. Als sie dann vor einigen Jahren eher zufällig auf das Buch des Kapuzinermönchs Anton Rotzetter Streicheln, mästen, töten - warum wir mit Tieren anders umgehen müssen stieß, eröffnete sich ihr eine klare Sichtweise: Alle Tiere haben eine von Gott verliehene Würde, Menschen und Tiere atmen den gleichen Odem, sie fühlen und leiden und lieben wie wir und Gott hat sie uns zur besonderen Fürsorge anvertraut.

Svenja hatte das Glück, Anton Rotzetter persönlich kennen zu lernen. Unter seiner Leitung unternahm sie eine Pilgerreise nach Assisi, wo der Heilige Franziskus lebte und wirkte. Dabei lernte sie viel über den Glauben, über sich, die Mitgeschöpflichkeit und die allumfassende Liebe Gottes. Mit Anton Rotzetter entstand eine tiefe Freundschaft; er hat Svenja sehr geprägt.

Ein Punkt, der gerne verdrängt und vergessen wird, liegt Svenja umso mehr am Herzen: Der unmäßige Fleischkonsum, wie er heute gang und gäbe ist, schadet nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen. Er ist mit verantwortlich für den Welthunger, der Tag für Tag Tausende Menschen dahinrafft, darunter viele Kinder.

Svenja glüht für ihre Überzeugungen und ist deshalb vielfach engagiert. Sie sitzt im Stadtparlament von Taunusstein. Sie macht mit bei der Gepa Arbeitsgruppe (Verlauf von Fair Trade Produkten) in ihrer Kirchengemeinde. Sie ist Mitglied eines Arbeitskreises zur Umweltenzyklika Laudato Si. Und immer wieder vermittelt sie Notfellchen für die Tierfreunde Taunusstein e.V.

Svenjas tierische Familie besteht aus dem Pferd Franz (nach Franz von Assisi benannt) und der betagten Schäferhund-Dame Sanni.


Werner Andrä

Werner AndräWerner ist in einer landwirtschaftlichen Familie aufgewachsen. Die Eltern waren Vollerwerbslandwirte mit einer bewirtschafteten Fläche von ca. 40 Hektar Wiesen und Ackerland.

Neben Kühen waren auch Schweine und Hühner als Nutztiere auf dem Hof und bildeten die finanzielle Lebensgrundlage. Die ganze Familie war involviert, die Tiere wurden gut behandelt; so war es nicht immer leicht, wenn der Transport zum Schlachter anstand.

Durch die ehrenamtliche Tätigkeit als Prädikant in der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau mit dem Schwerpunkt im Dekanat Rheingau-Taunus hat sich bei Werner das Verhältnis zu den Tieren geändert, insbesondere die Wahrnehmung der unterschiedlichen Behandlung von Nutztieren und Haustieren.

Daher wurde für ihn die Grundlage der Lehre Jesu, die allumfassende "Goldene Regel", zum Leitbild:

"Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest" (Matthäus 7, 12)

In dieser "Goldenen Regel", die alle Religionen kennen, ist der Samaritergedanke zu erkennen, die Hilfe, die wir den Opfern von Gewalt und Unrecht schulden. Das schließt die Tiere unmöglich aus. Und wenn wir uns in die Lage von Schlacht- oder Versuchstieren versetzen und uns fragen, ob wir so behandelt werden möchten, dann ist die Antwort klar.

"Hier ist die Goldene Regel ein wirksames Mittel, um uns die moralische Situation der Tiere und unsere moralische Verpflichtung ihnen gegenüber zu veranschaulichen" (Helmut Kaplan, Philosoph).

Werners tierische Familie besteht aus der betagten Schäferhund-Dame Sanni (davor gab es schon vier weitere Schäferhunde).