Wie wir wirken

Als Tiwi unterwegs


"Der Mensch versündigt sich an den Tieren"

Stadtdekan Pfarrer Nebel zu Gast bei den Tiwis

Am 06.04.2017 hatten die Tiwis ihr monatliches Treffen in St. Elisabeth und dazu Besuch von Stadtdekan Pfarrer Nebel. Das große Thema des Abends war - passend zu den Kartagen - ein Passus aus dem Glaubensbekenntnis: "hinabgestiegen in das Reich des Todes". Sooft man diesen Satz auch gebetet hat, so schwer ist er doch zu verstehen. Was ist das Reich des Todes? War Jesus, die Zweite Person Gottes, tot? War Gott tot? Geht das überhaupt? Über Nietzsches "Der tolle Mensch" und Papst Benedikts Ausführungen in seiner "Einführung in das Christentum" führte Pfarrer Nebel an die Antworten heran: Tod bedeutet Abkehr von Gott. Die geschieht durch die Sünde. Jesus selbst war ohne Sünde, hat aber aus Liebe zu den Menschen deren Sünde auf sich genommen. Dazu ist er bis aufs Äußerste vorgedrungen ins menschliche Leid, in die Distanz von Gott, um genau dort, wo es am finstersten ist, die Menschen zu erlösen. Durch seinen Tod hat er die Finsternis erhellt, dem Tod den Stachel gezogen.

Vom Reich des Todes aus ging es weiter über Gott und die Welt, genauer gesagt über das Verhältnis Gott - Mensch - Tier. Pfarrer Nebel war es wichtig, sich von dem verbreiteten positivistischen Verständnis zu distanzieren, nach dem der Mensch nichts anderes ist als alle anderen Tiere. Immerhin sei er die Krone der Schöpfung. Ja, kam es aus den Reihen der Tiwis, nur werde dieses gekrönte Dasein reichlich fehlinterpretiert: Statt darin den Auftrag zur Fürsorge und Verantwortung zu sehen, leite der Mensch daraus Ansprüche ab. Es sei für ihn eine Lizenz zur Ausbeutung, und das sei verhängnisvoll für die Schöpfung als Ganzes und besonders grausam für die Tiere. Dass der Mensch sich an den Tieren versündigt, dem stimmte auch Pfarrer Nebel zu. Wer Gott, den Schöpfer, liebt, kann nicht lieblos mit seinen Geschöpfen umgehen.

Die nächste Frage war pragmatischer Art: Warum tun sich Christinnen und Christen so schwer mit einem würdevollen Umgang mit Tieren? Über Augustinus und die Manichäer kam die Diskussion zu einem einfachen Ergebnis: Moral kostet! Damit es den Tieren besser gehen kann, muss der Mensch seine Maßlosigkeit aufgeben. Statt nach Lust und Laune und mehrfach täglich Fleisch zu essen, müsste er sich beschränken. Wichtig sei, finden die Tiwis, dass Appelle zur Mäßigung auch von der Kanzel aus erfolgten. Das komme nicht nur den Tieren zugute, sondern letztlich auch der Kirche. Die könne nur gewinnen, wenn sie sich rigoros einsetze für die Schwachen, die sich nicht selbst wehren könnten. Das stärke ihre Glaubwürdigkeit.

Zum Schluss wurde zusammen gebetet: Möge Gott helfen, dass wir Menschen die Verantwortung, die er uns schenkt, annehmen und zum Wohl der Schöpfung ausüben.